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Plastiklautsprecher ???

In den guten alten Zeiten in denen man noch zum surfen vor dem PC gesessen hat und der Blick in eine 15 Zoll Röhre ging, hat man nicht selten die farblich in beige gehaltenen Lautsprecher auf dem Schreibtisch stehen gehabt. Das war noch echter Hartplastik und war mit der damaligen Technologie kostengünstig herstellbar.

1988 erblickte dann der erste FDM- 3D Drucker das Licht der Welt. Unter FDM versteht man das Fused Deposition Modeling-Verfahren was soviel bedeutet wie "geschmolzenes Ablageverfahren". In diesem Verfahren wird ein Kunststofffaden durch eine erhitzte Düse aufgeschmolzen und in Schichten auf ein Druckbett aufgetragen. So entsteht Schicht für Schicht ein 3-Dimensionaler Körper. Mit der Zeit hat sich der Begriff "additive Herstellung" gebildet. Bei der Herstellung wird Material dazu addiert. Wenn du ein Loch in ein Brett bohrst, handelt es sich um ein subtrahierendes Verfahren, du nimmst Material weg an der Stelle an der du bohrst.

Seitdem ist viel geschehen auf dem Markt. 3D-Drucker sind inzwischen erschwinglich geworden. Für den Einsteiger bekommt man schon Geräte die Preislich im Bereich 150€-200€ angesiedelt sind. Selbst mit diesen Geräten kann man bereits sehr gute Ergebnisse erzielen. Bei ca. 1700€ ist man dann in der Investition am oberen Ende der Nahrungskette angekommen. Von da an beginnen dann die Geräte die in der Industrie ihre Anwendung finden. Die machen nichts besser oder schlechter als die Drucker für zu Hause, vielmehr zielen die Hersteller auf Spezialanwendungen ab oder ermöglichen die Verarbeitung von Sondermaterialien für die Industrie.

Aber zurück zu uns nach Hause. Das "Plastik" ist inzwischen zum Kunststoff geworden. Selbst für uns Hobbyisten findet sich eine unendliche Vielfalt an interessanten Materialien. Bei PLA (Polylactide ) handelt es sich um einen besonders beliebten Werkstoff. Dieser wird aus regenerativen Rohstoffen hergestellt ( Maisstärke ) und lässt sich hervorragend verarbeiten. Einige Hersteller haben inzwischen über 300 Farben und Sorten im Programm und es vergeht kein Jahr wo es auch wieder was Neues gibt. Neben dem Standard gib es inzwischen auch

  • Gemische mit Stäuben, Baumwolle und/oder Wachs

  • Faserverstärkungen

  • Beimischungen von Moosen, Kernen, Blättern oder Hölzern

  • Hochfeste oder temperaturbeständig

  • 2 oder 3 farbiges Material

  • und Kombinationen aus den oben genannten Beispielen

Je nach Zusammensetzung steigen die Ansprüche an die Verarbeitung. Um nun nochmal auf das Thema Lautsprecher zurück zu kommen.....fast vergessen.


Vor einigen Wochen habe ich eine Royal Nr4 von BPA zur Redaktion der Klang und Ton gefahren. Die Version in klassischer Holzbauweise war dort auch schon zu Gast und es konnte ein Vergleich durchgeführt werden. In meinem Inneren brodelte der pure Stress als die Messungen vollzogen wurden. Um es kurz zu fassen, es gab keinerlei Auffälligkeiten im Vergleich zur Version aus Holz. Es war eher das Gegenteil der Fall. In der tieferen Frequenzen konnte die Kunststoffversion sogar noch etwas punkten. Im Vergleich zur Holzversion hat das Gehäuse aus dem 3D-Drucker eine andere Form, jedoch bei gleichem Volumen. Zudem ist das BR sowohl an der Innenseite als auch außen abgerundet. In der Hörprobe in den eigenen 4 Wänden hörte sich die Box auch noch etwas verstopft an. Darauf hin habe ich die Noppenauskleidung und die Dämmwolle entfernt und gegen etwas Bitumex ersetzt. Dann war`s schön.

Die Herstellung dieses Gehäuses erfolgte auf einem Drucker mit einem Druckvolumen von 220x220x250mm. Diese Abmessung hat sich inzwischen als ein Standard etabliert. Die meisten Hersteller bieten Geräte in dieser Größe an. Auch wenn ich inzwischen einen etwas größeren Drucker habe, bin ich diesen Grundabmessungen treu geblieben. Alle Produkte auf PRINTYOURBEAT kannst du mit einem Drucker in dieser Abmessung herstellen.

Ein Lautsprecher ist idR. größer als das Druckvolumen eines 3D-Druckers. Aus diesem Grund zerlege ich die Gehäusekonstruktion in kleine Stücke. Diese werden dann wieder zu einem Körper zusammengesetzt.


Damit daraus später ein steifes und auch dichtes Gehäuse entsteht, erfolgt die Verbindung der Teile mit Hilfe einer Klebeverbindung ( gelb ). Die abgebildete Feder (grün) hindert den Kleber daran, sich an unerwünschten Stellen sichtbar zu machen. Zudem führt diese Feder das nachfolgende Teil und es entsteht ein sauberer Übergang.


Dann haben wir noch den Kleber. Kunststoffe können echte Zicken sein sofern man sie verkleben möchte. PLA lässt sich sehr gut verkleben. In meinen Bausätzen gibt es eigentlich nur 2 unterschiedliche Klebstoffe die Anwendung finden. Da hätten wir einen klassischen Sekundenkleber. Dieser wird nur für Fixierungen eingesetzt und ersetzt die sonst üblichen Schraubzwingen die bei der Holzverarbeitung genutzt werden. Der zweite Kleber nennt sich "Alleskleber". Interessanterweise gibt auf der Rückseite des Fläschchens eine Liste mit Dingen die er nicht klebt, aber PLA klappt super !

Die Besonderheit dieses Kleber ist seine Eigenschaft, nie auszuhärten. Man erhält eine Art Hartgummischicht zwischen den Teilen die eine stabile Verbindung herstellt, und zugleich abdichtet.

Am Ende erhalten wir ein 100% dichtes und steifes Gehäuse welches sich mit Holz locker messen lassen kann.




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